Musiktheater

Theater am Goetheplatz

Innocence

Oper von Kaija Saariaho
Finnisches Originallibretto von Sofi Oksanen
Mehrsprachiges Libretto von Aleksi Barrière
Mit deutschem und englischem Übertext
15 Uhr Einführung

„Keine Schuld ist je vergessen, solange das Gewissen noch um sie weiß.“ (Stefan Zweig) — Es sollte der schönste Tag ihres Lebens werden: Stela heiratet ihren Bräutigam Tuomas im kleinen Kreis. Sie fragt nicht, wieso nur wenige Gäste da sind, zu groß ist das unbeschwerte Glück. Doch dunkle Wolken der Vergangenheit verdichten sich über der Hochzeitsgesellschaft und ein Sturm aus Erinnerung, Schuld und vertaner Verantwortung braut sich zusammen. Mit archaischer Wucht erzählt die finnische Komponistin Kaija Saariaho von einem Trauma: Zehn Jahre zuvor gab es an einer Schule einen Amoklauf. Die unterschiedlichen darin verwickelten Biografien verknüpfen sich tragisch und unbeabsichtigt zu einem Schicksal. Was bleibt vom Leben nach dem Überleben? Schicht für Schicht offenbart sich die Schuldverstrickung aller Beteiligten. Marco Štorman, neuer Leitender Regisseur im Musiktheater, widmet sich diesem Psychogramm, in dem der moralische Kompass aller Figuren ins Schleudern gerät.

Gefördert von den Bremer Theaterfreunden.

  • Tereza, Kellnerin Nadine Lehner
    Stela, Braut Adele Lorenzi
    Patricia, Schwiegermutter Sarah-Jane Brandon
    Tuomas, Bräutigam Fabian Düberg
    Henrik, Schwiegervater Michał Partyka
    Der Priester Jasin Rammal-Rykała
    Cecilia, Lehrerin Nathalie Mittelbach
    Markéta, Schülerin 1 Venla Ilona Blom
    Lily, Schülerin 2 (schwedisch) Laura Hilden
    Iris, Schülerin 3 (französisch) Océane Paredes
    Anton, Schüler 4 (deutsch) Valentin Fruntke
    Jerónimo, Schüler 5 (spanisch) Rodrigo Andrade
    Alexia, Schülerin 6 (griechisch) Ioulia Spanou
    Chor Opernchor des Theater Bremen
    Orchester Bremer Philharmoniker

    Musikalische Leitung Stefan Klingele
    Regie Marco Štorman
    Bühne Eva Veronica Born
    Kostüme Sara Schwartz
    Chorleitung Karl Bernewitz
    Licht Christian Kemmetmüller
    Video Steffen Alphei, Nicky Fischer
    Ton Charel Bourkel
    Dramaturgie Frederike Krüger
    Choreografische Mitarbeit Alexandra Morales
  • „Es sind schillernde Klangwelten, dieses Atmosphärische, für die Kaija Saariaho auch in früheren Opern steht, hört man hindurch. Aber es gibt dann doch immer wieder eine Härte und Strenge in dieser letzten Partitur. […] Besetzt ist das ganz herausragend. Da muss sich niemand im vermeintlich kleinen Bremen verstecken. […] Eine großartige Ensemble-Leistung.“ (Jörn Florian Fuchs, Deutschlandfunk, 13. September 2026)

    „Die Musik allein wäre bereits ausreichend Grund, sich dieses Werk anzuschauen. Die Bremer Philharmoniker, die Solistinnen und Solisten, allen voran einmal mehr Nadine Lehner, und der Chor des Theaters haben wirklich viel zu spielen und zu singen. […] Es war von der künstlerischen Leistung her ein Fest, obwohl dieses Wort angesichts des Themas nicht so richtig passt, auch wenn die Handlung eigentlich auf einer Hochzeit spielt. […] Unbedingt anschauen, würde ich sagen.“ (Marcus Behrens, Bremen Zwei, 14. September 2026)

    „Regisseur Marco Štorman und Bühnenbildnerin Eva Veronica Born haben eine Seelenlandschaft aus lauter Schrägen geschaffen, durch die die Hochzeitsgesellschaft und die Schüler in ihren Uniformen (Kostüme: Sara Schwartz) kippeln, rutschen und stolpern. Ein paar Papierlampions, Luftballons und Papierschwalben wirken wie ferne Erinnerungen, selbst die Hochzeitstorte hält nicht. Eine herausfordernde, aber in sich stimmige Inszenierung.“ (Sebastian Loskant, Weser-Kurier, 14. September 2026)

    „Um es gleich vorwegzusagen, am Goetheplatz ist vielleicht die eindringlichste Inszenierung dieser Oper seit deren Uraufführung im Jahr 2021 gelungen. Das Mutige an Štormans Herangehensweise ist die Weigerung, das unfassbare Geschehen durch inszenatorische Entlastung zu entschärfen. Er liefert keine fertigen Sichtweisen, sondern schafft Denkräume, in denen der Zuschauer selbst entscheiden muss.“ (Michael Pitz-Grewenig, Kreiszeitung, 15. September 2026)

    „Die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Stefan Klingele fesseln hier durch eine biegsame Flexibilität, die immer mitreißt.“ (Ute Schalz-Laurenze, Neue Musikzeitung, 15. September 2026)
  • Die Oper Innocence behandelt die Themen Amoklauf, Tod und den Verlust eines Kindes. Es gibt in der Inszenierung keine explizite Darstellung des Amoklaufs und der damit verbundenen Gewalt.
    Nach ungefähr 1 Stunde und 20 Minuten werden mehrere Luftballons von dem Darsteller des Bräutigams Tuomas zum Platzen gebracht, sodass schussähnliche Geräusche entstehen.