Schauspiel
Theater am Goetheplatz
Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten
von Tiago Rodrigues
aus dem Portugiesischen von Niki Graça
Regie: Alize Zandwijk
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Artikel 1 des Grundgesetzes) — Ein Lehrstück vielleicht. Ein Familiendrama gewiss. Ein politischer Thriller mit angehaltenem Atem. Das international gefeierte Werk des Theatermachers Tiago Rodrigues hat Wellen geschlagen – und trägt das Flirren des „Stücks der Stunde“ bereits in sich. Jedes Jahr am 19. Mai versammelt sich eine portugiesische Familie zum Gedenken an die 1954 von der Diktatur ermordete Landarbeiterin Catarina Eufémia. Was als fröhliche Feier beginnt, endet mit einem tödlichen Ritual: Ein Faschist wird erschossen – als Akt vermeintlicher Gerechtigkeit. Doch in diesem Sommer bröckelt die Tradition. Die junge Generation rebelliert: gegen das Fleisch auf dem Teller, gegen das Gewehr in der Hand, gegen die Logik der Vergeltung. Was genau hat eine wehrhafte Demokratie anzubieten, wenn Widerstand nicht in Gewalt umschlagen soll? Die langjährige Hausregisseurin Alize Zandwijk setzt sich in ihrer Inszenierung mit dem auseinander, was uns Menschen zum Menschen macht: unsere tiefe Widersprüchlichkeit.
Gefördert von den Bremer Theaterfreunden.
- Freitag, 16. Oktober 2026, 19:00 – 21:10 Uhr
Dienstag, 27. Oktober 2026, 19:00 – 21:10 Uhr
Mittwoch, 04. November 2026, 10:00 – 12:10 Uhr
Samstag, 21. November 2026, 19:00 – 21:10 Uhr
Mittwoch, 16. Dezember 2026, 19:00 – 21:10 Uhr
Donnerstag, 21. Januar 2027, 19:00 – 21:10 Uhr
Die Vormittagstermine sind Schulvorstellungen. Restkarten werden ggf. kurzfristig für den regulären Verkauf freigegeben. - Marco Guido Gallmann
Pedro Levin Hofmann
Rui Ferdinand Lehmann
Isabel Susanne Schrader
Beatriz Karin Enzler
Sara Emma Floßmann
Antónia Irene Kleinschmidt
Romeu Manolo Bertling
Regie Alize Zandwijk
Bühne Thomas Rupert
Mitarbeit Bühne Rebecca Abdelkader
Kostüme Sophie Klenk-Wulff
Musik Matti Weber
Licht Norman Plathe-Narr
Dramaturgie Marianne Seidler
- „Nach Ende des Stücks gab es minutenlang stehenden Applaus und Bravo-Rufe. Auch die Schauspielerinnen und Schauspieler applaudierten dem Publikum, einige hatten Tränen in den Augen.“ (Benjamin Piel, Weser-Kurier, 3. Oktober 2026)
„Das morbide Kammerspiel, irgendwo zwischen Familientragödie und Agitprop, ist schon in der Vorlage weit lustiger, als die Zusammenfassung vermuten lässt. Und während Alize Zandwijks Hang zu Komposition und Bildgewalt ein bisschen Tempo rausnimmt, kitzelt ihr Gespür fürs Soziale dafür noch die eine oder andere Untiefe extra heraus. Dass Figuren, die über weite Strecken als Diskursvehikel für die alte linke Gewaltfrage, Schuld, Verantwortung, Tradition und so weiter angelegt sind, dabei ein wirkliches Miteinander auf die Bühne bringen, ist zudem wirklich große Schauspielkunst.“ (Jan-Paul Koopmann, nachtkritik, 3. Oktober 2026)
„Selten erlebt man Theater so relevant und aktuell. Nicht nur wegen des Wochenendes der Deutschen Einheit. Die Inszenierung führt schonungslos vor Augen, wie hilflos das demokratische Lager dem Siegeszug der Rechtsextremen zusieht oder zusehen muss. Alle acht Darstellenden verleihen ihren Figuren tiefen Ausdruck, ob Wut, Entschlossenheit, Ratlosigkeit oder eben auch Triumph.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 3. Oktober 2026)
„Regisseurin Alize Zandwijk tariert die Rollenzuschreibungen der Thesenträger exzellent aus, formt ein intensiv interagierendes, Ambivalenzen, psychologische Unter- und Obertöne der Figuren erkundendes Ensemble. […] Das Theater Bremen zeigt sich mit dieser differenziert ausgearbeiteten Inszenierung künstlerisch von seiner besten, inhaltlich von seiner herausfordernden Seite. Sozusagen als Gegenpol zur Friede-Freude-Einheits-Propaganda der Feierei drumherum.“ (Jens Fischer, Die deutsche Bühne, 3. Oktober 2026)
„Rodrigues hat mit ‚Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten‘ ein äußerst durchdachtes und textlich starkes Stück geschrieben, und das Bremer Theater hat es bravourös umgesetzt. Ein im besten Sinne mitnehmender Abend, der unweigerlich die Diskussion über die (eigene) politische Realität anregt.“ (Katia Backhaus, Kreiszeitung, 6. Oktober 2026)
„Rodrigues’ Stück ist eine Mischung aus Familientragödie, bitterböser Komödie und Lehrstück und spielt sich komplett in den Dialogen zwischen den acht Charakteren ab. Alize Zandwijk bekommt dieses Konglomerat gut in den Griff – immer wieder wird das semireligiöse Ritual der Feier entlarvt, die Erstarrung, die sich hinter dem wohlfeilen Etikett Antifaschismus etabliert hat. […] Zandwijk kann auf ein glänzend aufgelegtes Ensemble bauen.“ (Iris Hetscher, Weser-Kurier, 1. Oktober 2026, Bericht nach der Voraufführung vom 30. September) - In der Inszenierung werden Schusswaffen gezeigt und eingesetzt. Zudem thematisiert das Stück Tötungsabsichten sowie Gewalt gegen Frauen, ausdrücklich auch einen Femizid. Nach etwa einer Stunde ist ein Knall durch einen platzenden Luftballon zu hören. In der letzten Szene des Stücks, nach etwa einer Stunde und 55 Minuten, wird eine etwa 15-minütige Rede gehalten. Darin werden rechtsextreme, rassistische, faschistische sowie frauen- und queerfeindliche Positionen und Formulierungen reproduziert.