Kleines Haus

The End. Eine Replikantenoper

von Jan Eichberg
Regie: Felix Rothenhäusler

„Du befindest Dich auf der Erde. Dafür gibt es keine Heilung.“ (Samuel Beckett) — Im düsteren Los Angeles der gar nicht allzu fernen Zukunft scheint der Regen nie aufzuhören. Licht spenden nur noch die blendend hellen Reklametafeln, und der Smog hängt tief über den Köpfen der Menschen. Hier gibt es keine Bäume mehr, keine Pflanzen. Tiere und Insekten sind zur Seltenheit geworden und damit zum heißbegehrten Statussymbol. Diese Welt ist geteilt in echt und künstlich, mächtig und gejagt. Kaum zu unterscheiden vom Original sind die sogenannten Replikanten, künstliche Menschen zweiter Ordnung, Wesen ohne Geschichte, ohne Erinnerung, erschaffen nur, um zu funktionieren. Und doch schimmert in ihren Augen so etwas wie Gefühl, vielleicht sogar Liebe? Die Grenzen zwischen Realität und Erinnerung, Traum und Dystopie verschwimmen immer mehr und hinterlassen vor allem Fragen danach, was es eigentlich bedeutet, Mensch zu sein. Der Klang unserer Zukunftsängste verbindet sich mit der Hoffnung auf eine bessere Welt, eine Welt ohne Menschen vielleicht, eine Welt ohne Ende.

Fotos: Philip Frowein

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    „Sprühnebel. Zellstoff. Zeit. Viel mehr Zutaten bedarf die von Katharina Pia Schütz eindrucksvoll eingerichtete Bühne im Kleinen Haus nicht, um auf zugleich subtile und treffliche Art ein Stück zu allegorisieren, das um Künstlichkeit und Vergänglichkeit kreist – und wie beiläufig eine alternative Schöpfungsgeschichte entwirft. Der unablässig perlende Sprühnebel benetzt und nässt den nach Art eines gediegenen Vorhangs gerafften Zellstoff und die davor vorzugsweise regungslos postierten fünf Akteure wie ein leichter, penetranter Dauerregen. [… ] Der Bremer Autor und Filmemacher Jan Eichberg hat „The End“ geschrieben, ein apokalyptisch grundiertes Stück mit viel Musik und noch mehr feiner Ironie und dem mal melancholischen, mal ungemein komischen Erzählduktus eines mit Groschenroman-Sequenzen verquirlten Kunstmärchens, das nicht zuletzt seiner geschmeidigen Wechselreden wegen dramatische Qualitäten hat. […] Dynamisiert wird diese formal bündige, inhaltlich bereichernde Aufführung durch eine hohe Sprechkultur, der Felix Rothenhäusler in bewährter Manier Irritationen, Verzögerungen und Mehrdeutigkeiten einspeist. Sein bewundernswert konsequenter Stil hat mit „The End“ einen weiteren Höhepunkt erreicht.“ (Hendrik Werner , Weser Kurier, 27. September 2019)

    „Der Regisseur lässt die fünf ReplikantInnen buchstäblich im Regen stehen. Während der gesamten Inszenierung rieselt Sprühregen auf sie herab. Einziges Dekorationselement ist eine riesige weiße Gardine, die wie ein Store von der Decke hängt. Davor stehen die AkteurInnen nach bekannter Rothenhäusler Manier in einer Reihe nebeneinander, dem Publikum zugewandt. Und während sie gemeinsam ihre Geschichte erzählen, löst der Regen nach und nach den weißen Vorhang hinter ihnen auf. Erst wird er löchrig und am Ende bleiben nur gespenstische Fetzen übrig. Während die Story der Replikanten die Grenzen der Zeit verwischt, löst sich auch der Bühnenraum auf. […] Es entstand ein Gottesdienst als Replikantenstadl, mal bewegend, mal ironisch gebrochen. Das haben die SchauspielerInnen sehr gut hinbekommen, obwohl sie vieler Mittel beraubt waren, weil sie sich kaum vom Fleck bewegen konnten und nur mit leichten Andeutungen in Gestik und Mimik arbeiten konnten. Insgesamt war die Inszenierung durchaus anregend und sie fiel mit einer Stunde Dauer angenehm kompakt aus.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 27. September 2019)

    „Das alles wirkt extrem dicht, ein Gefühl für die Anspannung vermittelt Alexander Swoboda etwa, wenn er als besagter Rick Deckert einmal ganz leicht mit den Schultern zuckt, wenn er vom Rennen spricht. Es steckt sichtbar alles drin in diesen Menschen – auch wenn sie es nicht nur sehr pointiert herauslassen. Mehr ist über das Schauspiel kaum zu sagen, gerade weil sie alle so trefflich aufgehen in der Maschinerie – technisch, aber gerade auch im kontaktlosen Zusammenspiel der gleichermaßen großartigen Annemaaike Bakker, Nadine Geyersbach, Justus Ritter, Matthieu Svetchine und Alexander Swoboda. […] Ja, witzig ist sie auch, die ‚Replikantenoper‘ – weil sie den eigenen Kitsch selbst ein bisschen bescheuert findet, ohne ihn gleich denunziatorisch zerlegen zu müssen. Das ist schließlich eine Lebenserfahrung, die jede und jeder irgendwann machen: dass die traurigsten Momente eben oft auch die albernsten sind. Und so paaren sich hier Rahmentexte von biblischer Wucht mit süß-verblödeter wörtlicher Rede. Wunderschön ist das.“ (Jan-Paul Koopmann, Kreiszeitung, 27. September 2019)

    „Während der Text sich wie eine vielstimmige, aber stofflose Maschine immer wieder in die menschliche Misere schraubt, löst sich im Hintergrund der Vorhang auf: Immer größere Brocken klatschen zwischen den SchauspielerInnen ins Wasser. Das erweist sich als hochgradig treffsicher, sowohl was die melancholische Stimmungslage angeht als auch den philosophischen Gehalt des Textes: Was unterscheidet noch mal den Menschen von seinem Abbild? Und ist es am Ende mehr Mensch als er selbst?“ (Jan-Paul Koopmann, taz, 5. Oktober 2019)

    „Für sein aktuelles Stück stellt Regisseur Felix Rothenhäusler ein Quintett aus Kunstmenschen auf die Bühne, lässt sie zu elegischen Tonfolgen singen und aus einer technologisch hochgerüsteten Zukunft lamentieren. Kurzum: er folgt einer etwas mysteriösen Zukunftsvision. Das Stück heißt ‚The End. Eine Replikantenoper‘ und kam beim Premierenpublikum ausgesprochen gut an. Was zum einen an der verblüffenden Mixtur aus reduzierten Stilmitteln gelegen haben könnte, zum anderen an einem unterschwelligen Humor, der das völlig bewegungslose Konzept grundiert.“ (Sven Garbade, Foyer, November 2019)
  • Förderer

    • Karin und Uwe Hollweg Stiftung

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