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OIKOS: Welt & Wirtschaft #4 Sand

Podiumsgespräch über einen unterschätzten Rohstoff
In Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung Bremen
Mit Victoria Gronwald und Dorothee Mix
Eintritt frei!

Sand ist unscheinbar und scheinbar unbegrenzt vorhanden. Dennoch bezeichnen Fachleute Sand als neue sozial-ökologische Zeitbombe. Denn das weltweite Bevölkerungswachstum, insbesondere in den Städten, führt zu großflächigem Sand-Raubbau mit verheerenden Folgen. Laut dem UN-Umweltprogramm (UNEP) leidet die Mehrzahl aller Strände weltweit an deutlichem Sandmangel: Küsten erodieren, sind anfälliger für Hochwasser und Tsunamis.
Die UNEP hat ausgerechnet, dass der Jahresverbrauch allein des Bausektors als eine 27 Meter hohe und 27 Meter breite Mauer darstellbar ist, die einmal rund um den Äquator reicht. Aber Sand ist nicht nur der Hauptbestandteil von Beton, sondern ebenso – und in noch stärkerem Maß als Erdöl – erforderlich für die Produktion von Autoreifen, Pharmazeutika, Kosmetika, Kreditkarten, Putz- und sogar Nahrungsmitteln. Ohne Sand auch keine digitale Gesellschaft, denn die aus ihm gewonnenen Mineralien stecken in Glasfaserkabeln, Handys und Computerchips.
Nach Wasser ist Sand der meist verbrauchte Rohstoff überhaupt, mit stark steigender Tendenz. Sand sei, so die Autor:innen einer Studio der ETH Zürich, „der Megastar unseres industriellen und elektronischen Zeitalters“ – und entsprechend begehrt und umkämpft. Zugleich ist er eine nur äußerst langsam nachwachsende Ressource. Bis die Erosion Gesteine zu den Myriaden winzigen Körnchen zermahlen hat, vergehen zehntausende und mehr Jahre.
Aufgrund des illegalen Sandabbaus in Indonesien verschwinden ganze Inseln. Abu Dhabi wiederum verbraucht Hunderte Millionen Tonnen an Meeressand für seine Landgewinnung, was zum großflächigen ökologischen Kahlschlag auf Meeresböden führt. Wüstenstädte wie Dubai importieren Bausand aus Australien, weil Wüstensand zu rundkörnig ist und deswegen nur als Zusatzstoff taugt. Sand sorgt für soziale und internationale Konflikte: Singapur legt nationale Sandreserven an, die indische Sandmafia kontrolliert die Bauwirtschaft des Subkontinents, sie gilt mittlerweile als mächtigste kriminelle Organisation des Landes.
Konflikte um Sand gibt es auch an französischen Küsten und in brandenburgischen Abbaugebieten, Grundwassermangel, Bodenabsenkungen- und versalzungen werden beobachtet. Im Rahmen unserer OIKOS-Reihe zur sozial-ökologischen Transformation wollen wir uns daher mit diesem oft unterschätzten Rohstoff auseinandersetzen – nicht nur in internationaler Perspektive, sondern auch mit Blick auf Deutschland: Welche politischen Rahmensetzungen sind erforderlich, damit insbesondere die Bauindustrie ressourcenschonender arbeitet?
Hierzulande ist der Anteil an Recycling-Beton noch verschwindend gering, und auch in Bremen werden immer noch zahlreiche intakte Gebäude abgerissen, statt sie einer Umnutzung zuzuführen. Warum gehört die Einberechnung von „grauer Energie“, bei der auch der auch die Kosten des Rohstoffverbrauchs eingepreist werden, noch immer nicht zum Standard einer Vollkostenrechnung von Bauvorhaben?

Die Veranstaltung findet online über Zoom oder als Livestream via YouTube statt.
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